191 Kohlweg, Karin: Die Situation der Dalits
in Indien: Eine Evaluierungsstudie in Tamil Nadu. 1995. 200 S., 19 EUR.
ISBN 3-88156-633-3
Ein Gruppe von Dalits (Unberührbare)
im südindischen Staat Tamil Nadu versucht, im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts
ihre Lebensbedingungen zu verbessern. In welchen gesellschaftlichen Rahmen
sie eingebettet sind, mit welchen Problemen sie in der Vergangenheit konfrontiert
waren und es immer noch sind, wird aufgezeigt. Die Autorin arbeitet insbesondere
die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Projekts heraus. Eine methodologische
Auseinandersetzung mit Evaluierung allgemein führt in die Arbeit ein.
192 Engelhard, Kerstin: Frauenförderung
als entwicklungspolitische Aufgabe: Eine entwicklungspolitische Analyse
am Beispiel der Rolle der Frau in ausgewählten Wirtschaftszweigen
Marokkos. 1995. 320 S., 25 EUR. ISBN 3-88156-634-1
Die mangelnde Berücksichtigung der wirtschaftlichen,
kulturellen und sozialen Situation der Frau ist noch immer eine der gravierendsten
Schwachstellen der praktischen Entwicklungszusammenarbeit. Frauenforschung
hat zunächst die Aufgabe, diese Mißstände aufzudecken und
zu analysieren, um schließlich zum Abbau vorhandener Benachteiligungen
von Frauen beizutragen. Im Marokko der 90er-Jahre steht die Situation der
Frau im Mittelpunkt gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, denn die Rechte
der Frau bzw. deren Verweigerung hängen unmittelbar mit der Schaffung
demokratischer Strukturen im Lande zusammen. Nach einführenden Kapiteln
zur Stellung der Frau in der islamischen Gesellschaft und zur historisch-politischen
Entwicklung sowie zur aktuellen Lage Marokkos werden insbesondere die folgenden
Fragestellungen untersucht: In welchen Erscheinungsformen tritt die Benachteiligung
marokkanischer Frauen zutage? Welche Ursachen liegen ihr zugrunde? Nehmen
die Frauen ihre Benachteiligung wahr, und wenn ja, wie? Welche strategischen
Ansätze zur Frauenförderung sind erforderlich, und unter welchen
Bedingungen sind diese realisierbar?
193 Frank, Claus-Günter: Schulreformen
an deutschen Auslandsschulen. Dargestellt an der Einführung der Neuen
Sekundarstufe an der Deutschen Schule Lissabon. 1995. VI, 450 S., 30 EUR.
ISBN 3-88156-635-X
Schulreformen im deutschen Schulwesen waren
schon häufig Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Dabei fanden
deutsche Auslandschulen keine Beachtung. Durch diese Arbeit wird diese
Lücke verkleinert. Aufgrund der geringen Schülerzahl treten Auswirkungen
von Schulreformen in Auslandsschulen viel unmittelbarer zu Tage, und die
wirksam werdenden Mechanismen können viel leichter erkannt werden
als bei Schulreformen im Inland. Es werden nicht nur Ursachen und Ablauf
einer Schulreform im Auslandschulwesen geschildert, die Reform wird auch
bewertet.
194 Augustat, Karin: Frauen und Bodenerosion.
Eine entwicklungsethnologische Fallstudie in den West-Usambara-Bergen,
Tanzania. 1995. 240 S., 23 EUR. ISBN 3-88156-636-8
»ni shida, ni kazi, lakini tumezoey«
(»Probleme und Arbeit, aber wir sind es gewöhnt.«) Dieser
Spruch der Frauen aus den Usambara-Bergen beschreibt treffend ihre täglich
er- und gelebte Wirklichkeit: Probleme, die sich aus der zunehmenden Degradierung
ihrer natürlichen Lebensbasis – Abholzung, Überweidung und Bodenerosion
– ergeben; Arbeit, viele und schwere Arbeit, um die Versorgung der Familie
aufrechtzuerhalten, wobei die Frauen in immer stärkerem Maße
auf sich selbst gestellt sind; Gewöhnung, weil die Frauen kaum eine
Alternative haben oder sehen, als ständig wie gewohnt weiterzumachen,
mit Blick auf die nächste Ernte, den nächsten Regen, den nächsten
Tag... Aber in diesem Spruch schwingt auch ihre ausdauernde Kraft mit und
ihr Verantwortungsgefühl, der Mut und der Humor, den sie dennoch nicht
verlieren. Mit dieser Studie möchte die Autorin das Bewußtsein
schärfen bezüglich der Schlüsselrolle von Frauen beim Umgang
mit natürlichen Ressourcen und ihrer Bedeutung in der Entwicklungszusammenarbeit
als eigenständige Partnerinnen beim Erhalt der Umwelt und einer lebenswerten
Zukunft.
195 Kamya, Andrew: Youth Unemployment and
Urban Informal Sector. A Case Study in Zambia. 1995. VI, 140 S., 17 EUR.
ISBN 3-88156-640-6
The escalating youth unemployment problem
and the apparent failure of the modern, formal primary, secondary and tertiary
sectors of the economy to create adequate employment opportunities to absorb
the rapidly growing numbers of young school-leavers have promted different
governments to propose and actively pursue alternative employment and training
possibilities. This study is based on empirical data collected in 1985
and 1988 – 1989 in two districts of Zambia. The data indicate that the
contribution of the urban manufactoral sector to solving the youth unemployment
problem was generally insignifacant during the period under survey in view
of the huge numbers of young people who leave school every year.
196 Hauff, Michael von (Hg.): Economic Cooperation
between Germany and India. 1995. 112 S., 15 EUR. ISBN 3-88156-646-5
The economic cooperation between Germany and
India has gained in significance a great deal over the last few years.
But there are two factors that seem to blur the contours of the economic
relations between the two countries: firstly, we witness an increasing
complexity of economic structures owing, for instance, to the ongoing development
and consolidation of the Single European Market and the disintegration
of the Eastern bloc and, secondly, we find the Indian economic system transforming
itself from a more or less planned economy into a market economy. Little
wonder that there is a market paucity of analytical studies addressing
forms and repercussions of bilateral economic relations. In the 21st Contact-with-the-Industry
Seminar organized at the University of Kaiserslautern, Germany, six presentations
centered round this theme. The present volume is a compilation of these
presentations by Michael von Hauff, Karl Fasbender, Manfred Holthus, Hans-Gert
Braun, Cornelia Richter and Rajan R. Malavija.
197 Backhaus, Annette: Frauen in der Frauenförderung.
Von der »Überlebensressource« zum Subjekt der Veränderung.
Eine Untersuchung am Beispiel von Frauenprojekten in Lima/Peru. 1995. 372
S., 28 EUR. ISBN 3-88156-658-9
Die extreme Verarmung weiter Teile der Bevölkerung
ist der wesentliche Motor für die Mobilisierung vieler Frauen aus
den städtischen Elendsvierteln in Basisorganisationen. Im Zuge des
neoliberalen Rückzugs des Staates aus seiner sozialen Verantwortung
und im Einklang mit dem Trend zur Privatisierung von Entwicklungspolitik
wurden in Peru nationale NGOs ge-gründet, die sich vornehmlich aus
Angehörigen der Mittelschicht rekrutieren. Sie sollen die Frauen-Basisorganisationen
durch Beratung und Fortbildungsmaßnahmen unterstützen und werden
durch internationale Entwicklungshilfegelder finanziert. In dieser kritischen
Analyse der Zusammenarbeit von Basisorganisationen, NGOs und externen Gebern
wird die einflußreiche, oft kontraproduktive Rolle der NGOs sichtbar,
die das Wechselspiel zwischen »praktischen und strategischen Geschlechterinteressen«
verkennen, am Beispiel dreier Projekttypen: Volksküchen, einkommensschaffende
Projekte und ein feministisches Bildungsprogramm. Während viele Arbeiten
die Konzeptionen der Geber in den Vordergrund stellen, macht diese die
Frauen als eigenständige Akteurinnen in einem komplexen Prozeß
sichtbar.
198 Beier, Christoph: Dezentralisierung und
Entwicklungsmanagement in Indonesien. Beobachtungen zur politisch-administrativen
und zur wissenschaftlichen Kommunikation: Ein systemtheoretischer Versuch.
1995, XX, 429 S. und 43 S. Anhang, 31 EUR. ISBN 3-88156-659-7
Anfang der 90er Jahre belebte sich in Indonesien
die Diskussion um die Rolle der unterschiedlichen Regierungsebenen bei
der staatlichen Aufgabenerfüllung und die Beziehungen zwischen Zentralstaat,
Regional- und Lokalregierungen. Ein Projekt der deutschen Technischen Zusammenarbeit
unterstützte das Innenministerium bei der Umsetzung von Dezentralisierungsansätzen.
Der Autor interpretiert die dabei gemachten Erfahrungen auf der Basis der
systemtheoretischen Ansätze Luhmannscher Prägung und macht diesen
in der Geographie und Entwicklungsforschung bisher vernachlässigten
Bereich der soziologischen Theorieentwicklung für die Interpretation
von Beobachtungen zur Operationsweise des politisch-administrativen Systems
nutzbar. Mit ausführlicher theoretischer und meta-theoretischer Gundlegung.
199 Kersting, Norbert: Urbane Armut. Überlebensstrategien
in der »Dritten Welt«. 1995, 277 S., 23 EUR. ISBN 3-88156-667-8
In den Großstädten der »Dritten
Welt« wächst die Zahl der unteren Einkommensschichten dramatisch
an. Die Handlungs- und Einstellungsmuster dieser marginalisierten Bevölkerung
werden durch ihre Überlebensstrategien dominiert. Aufgrund von Vorurteilen
stehen viele Entwicklungshilfeagenturen dem Phänomen der urbanen Armut
hilflos gegenüber. Ein besseres Verständnis der Subkultur der
Armut, d. h. der Lebenslagen und Wertvorstellungen in den Armensiedlungen
kann hier Abhilfe schaffen.
200 Melsbach, Gerlind: Existenzbedingungen
in einem philippinischen Dorf. Eine haushaltsbezogene Untersuchung aus
geschlechterdifferenzierter Perspektive. 1995, VI, 404 S.; 29 EUR. ISBN
3-88156-671-6
Zunehmende ländliche Verarmung einhergehend
mit der Marginalisierung von Frauen im Zuge der Transformation agrarischer
Produktionsverhältnisse ist ein offensichtliches Phänomen in
den meisten Ländern der »Dritten Welt«, für die sich
die Hoffnungen auf nachholende Entwicklung nicht erfüllt haben. Die
Arbeit untersucht, wie sich die Existenzbedingungen von bäuerlichen
Familien auf den Philippinen im Zuge der Transformation der Agrarstruktur
gestalten, besonders unter der Perspektive der Geschlechterverhältnisse.
201 Kellner, Alexander: Entwickeln oder entwickeln
lassen? Viehzüchterprojekte bei den Maassai in Tanzania und den Borana
in Äthiopien aus ethnologischer Sicht. 1996, VIII, 150 S., 19 EUR.
ISBN 3-88156-672-4
Welche Ziele verfolgen Entwicklungsprojekte
bei ostafrikanischen Viehzüchtern? Haben sie Aussicht auf Erfolg?
Viele Viehzüchterprojekte der Vergangenheit scheiterten nicht erst
bei der Durchführung, sondern waren schon im Ansatz mit Fehlern behaftet:
Sie ließen die kulturellen Voraussetzungen der Zielgruppe unberücksichtigt.
Ein typisches Beispiel dafür ist das bei den Maasai in Tanzania durchgeführte
»Maasai Livestock and Range Management Projekt« (USAID). Neuere
Projekte wie das »Fourth Livestock Development Projekt« (Weltbank)
und das» Borana Rangelands Projekt« (CARE) bei den Borana in
Äthiopien wollen dagagen einen neuen Ansatz verfolgen. Der Autor konfrontiert
die entwicklungspolitischen Vorstellungen, die den Projekten zugrundeliegen,
mit den traditionellen Wirtschaftszielen der Betroffenen, um zu überprüfen,
ob und inwiefern man aus vergangenen Fehlern gelernt hat.
202 Rauch, Theo: Ländliche Regionalentwicklung
im Spannungsfeld zwischen Weltmarkt, Staatsmacht und kleinbäuerlichen
Strategien. 1996, VIII, 332 S., 27 EUR. ISBN 3-88156-673-2
Leitmotiv ist die Absicht des Verfassers,
der verbreiteten Krisenstimmung in der entwicklungstheoretischen und entwicklungspolitischen
Diskussion konzeptionelle Perspektiven entgegenzusetzen, ohne dabei der
Gefahr eines gefälligen, realitätsfernen Zweckoptimismus zu erliegen.
Die Studie setzt sich das Ziel, durch Anwendung einschlägiger Erkenntnisse
der Entwicklungsforschung zur Verbesserung der entwicklungspolitischen
Praxis beizutragen. Die Arbeit bewegt sich damit an der Schnittstelle zwischen
Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik. Sie versucht nachzuweisen,
dass die Erkenntnisse der Entwicklungsforschung der vergangenen zwanzig
Jahren zu einem realitätsgerechteren und damit erfolgreicheren Umgang
der Entwicklungspolitik mit schwierigen Rahmenbedingungen beitragen könnten.
Dieses Anliegen wird mit Hilfe eines ganzheitlichen interdisziplinären
Ansatzes unter Einbeziehung von fünf entwicklungsrelevanten Dimensionen
verfolgt: der ökonomischen, der politisch-institutionellen, der ökologischen,
der sozio-kulturellen und der räumlichen Dimension.
Der Autor bewegte sich im Rahmen seiner 25jährigen
Auseinandersetzung mit Problemen der Entwicklungsländer stets an der
Nahtstelle zwischen Theorie, Praxis und Ausbildung und hat dabei maßgeblich
an der Erarbeitung von Konzeptionen zur ländlichen Entwicklung mitgewirkt.
203 Koppenleitner, Andrea: Stützpfeiler
der Gesellschaft. Frauen von Wanderarbeitern in Haiti.
1996, XII, 228 S., 22 EUR. ISBN 3-88156-688-0
Die Arbeit der haitianischen Männer in
den Städten und außerhalb des Landes trägt auf lange Sicht
gesehen wenig zur Verbesserung der Frauen bei, sondern bürdet ihnen
zusätzliche Lasten und Verantwortungen auf. Die Autorin setzt sich
kritisch mit den sozialwissenschaftlichen Begriffen »Rolle»,
»Stellung» und »Status» auseinander und vergleicht
die Situation der Frauen in Haiti mit der anderer Länder, insbesondere
in Afrika. In einem ausführlichen einleitenden Teil wird die Gesellschaftssituation
in Haiti bis Ende 1992 dargestellt.
204 Kurths, Kristina:
Private Kleinbetriebe in Vietnam. Rahmenbedingungen und Hemmnisse ihrer
Entwicklung.
1997, XVIII, 282 S., 26 EUR. ISBN 3-88156-693-7
Die Mitte der achziger Jahre von der vietnamesischen
Regierung eingeleiteten Wirtschaftsreformen haben neben einer grundsätzlichen
makroökonomischen Stabilisierung auch zu markanten Veränderungen
auf der Mikroebene geführt. Privatwirtschaftliche Aktivitäten
von Klein- bzw. Familienbetrieben, deren Zahl mit fortschreitender Legitimation
rasch angestiegen ist, dominieren bereits in der Landwirtschaft und im
Dienstleistungsbereich und gewinnen auch im verarbeitenden Gewerbe an Bedeutung.
Sie verfolgen mit einer Betriebsgründung vor allem die Sicherung des
familiären Einkommens. Das Potential, sich zu konkurrenzfähigen,
wachsenden Wirtschaftseinheiten zu entwickeln, besitzen jedoch erst wenige.
Das wirtschaftliche, rechtliche und institutionelle Umfeld, dem private
Kleinbetriebe bei der Betriebsgründung und –führung unterliegen,
sowie daraus resultierende Faktoren, die ihre Entwicklung beeinträchtigen,
sind das zentrale Thema dieser Arbeit. Probleme von Kleinunternehmern in
Nordvietnam, die nicht auf eine marktwirtschaftlich geprägte Vergangenheit
zurückblicken können wie die Südvietnams, werden besonders
berücksichtigt. Abschließend werden die Bereiche herausgearbeitet,
in denen Kleinbetriebe Chancen auf eine erfolgreiche betriebliche Entwicklung
haben.
205
Mohamedou, Eliza:
The Interaction Between Supply and Demand of Infrastructure Regarding Private
Manufacturing Companies: The Case of the Islamic Republic of Mauritania
1997, XVI, 332 S., 28 EUR. ISBN 3-88156-698-8
An adequate and sufficient infrastructure
is a necessary condition for the economic development of any country. This
work looks at the relationship between the supply of infrastructure services
and the demand for them in a non-market system. It focuses on the nature
and extent of the impact infrastructure areas may have on the activities
of private manufacturing companies.
The case studied is that of the North African developing country of Mauritania.
The extreme geophysical conditions and small population of this country
increase the difficulties of the provision and financing of infrastructure.
The strong financiel dependence of the country on international donors
and resulting implications for the decision-making process and selection
of projects are also discussed.
206 Hortt, Guido:
Die Beziehung Gesellschaft – Natur im südamerikanischen Gran Chaco
Ein Beitrag zur Umweltproblematik der Entwicklungsländer
1998, 406 S., 30 EUR. ISBN 3-88156-706-2
Diese Arbeit analysiert die Beziehung
zwischen Gesellschaft und ökologischen Systemen im südamerikanischen
Gran Chaco. Seitdem der »weiße Mensch« die Region betreten
hat, zeigen die schädlichen Interventionen in die ökologischen Systeme
äußerst schwerwiegende negative Auswirkungen sowohl auf das Natursystem
und die regenerierbaren Ressourcen als auch auf die sozialen Akteure.
Zunächst werden der biotische und
abiotische Faktorenkomplex analysiert; die Kenntnis der strukturellen und funktionellen
Besonderheiten erleichtert das Verständnis der beschriebenen Umweltveränderungen.
Anschließend werden die sozialen
und sozio-ökonomischen Akteure identifiziert, die im Natursystem tätig
sind, sowie die Handlungen und Modalitäten, mit denen sie auf die ökologischen
Systeme einwirken.Die Auswertung zeigt, dass die ökologische Grundlage
nicht zu den Konzeptionswerten des Entwicklungsstils gehört und dass
die bisherige Beziehung Gesellschaft – Natur revidiert werden muss.
207 Krammer, Alois:
Über die Verstädterung im tropischen Afrika und ihre kulturellen
Grundlagen.
Eine soziologische, kultur- und ideengeschichtliche Untersuchung vor dem
Hintergrund des Kolonialismus.
1998, 446 S., 31 EUR. ISBN 3-88156-714-3
Der Autor stellt im vorliegenden Buch zunächst
die Geschichte und Gegenwart der Verstädterung im tropischen Afrika dar –
primär aus sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Perspektive. Sodann untersucht
er Grundlagen der afrikanischen Verstädterung vor dem Hintergrund des Kolonialismus.
Dabei steht die Kultur- und Ideengeschichte des europäisch-afrikanischen
Aufeinandertreffens im Vordergrund. Daran anschließende empirische Fallstudien
in Arusha, Tansania, konkretisieren die Resultate der vorangegangenen Kapitel
und liefern zusätzliche Einsichten. Abgeschlossen wird die Arbeit durch ein
theoretisch orientiertes Resümee sowie durch Überlegungen über
die gesellschaftspolitische Bedeutung der Ergebnisse.
Das Buch verbindet soziologische bzw. sozial-
und wirtschaftswissenschaftliche Daten mit kultur- und ideengeschichtlichen Erörterungen
in einer bisher nicht vorliegenden Art und Weise. Damit erschließt die Publikation
bisher kaum beachtete Zusammenhänge, insbesondere was die Auswirkung des
Kolonialismus und seines kulturellen Überlegenheitsanspruchs auf die Verstädterung
betrifft.
208 Krauß, Annette: Wandel wirtschaftspolitischer
Institutionen bei
Außenwirtschaftsreformen. Tunesiens Öffnungspolitik seit 1986
2000, VIII, 344 S., ISBN 3-88156-735-6, 28 EUR.
Die Außenwirtschaftsliberalisierung
verändert die Bedingungen in zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern
in einschneidender Weise und gewinnt im Zuge der Internationalisierung der Güter-
und Kapitalmärkte an Bedeutung. In der vorliegenden Arbeit wird besonderes
Augenmerk auf Informations- und Einflusskanäle zwischen Politik und Wirtschaft
gerichtet, die den außenwirtschaftspolitischen Kurs eines Landes bestimmen.
In einem Interessengruppenmodell werden die wechselseitige Unsicherheit über
die Durchsetzungsfähigkeit wirtschaftspolitischer Akteure wie auch die wachsende
Bedeutung von Informationen in kapital- und technologieintensiven Märkten
berücksichtigt. Die einzelnen Akteure und ihre Gruppen nutzen moderne und
traditionelle wirtschaftspolitische Institutionen wie zum Beispiel Unternehmerverbände,
Gewerkschaften, Wirtschaftsfördereinrichtungen und Klientelbeziehungen, um
ihre Einflussnahme und Informationsversorgung zu sichern. Tunesien hat seit 1986
schrittweise seine Märkte bis hin zu einem Frei-handelsabkommen mit der Europäischen
Union geöffnet. Am Beispiel Tunesiens wird gezeigt, inwieweit Akteure ihre
außenwirtschaftspolitischen Interessen durch die Nutzung von bestimmten
Institutionen äußern und damit den Verlauf der Öffnungspolitik
beeinflussen. Es wird auch gezeigt, unter welchen Bedingungen sich die wirtschaftspolitischen
Institutionen im Verlauf einer Öffnungsphase ändern könnten. Die
Untersuchung umfasst eine Befragung von Unternehmern und Vertretern von Kammern,
Verbänden, Gewerkschaften und Einrichtungen der staatlichen Wirtschaftsförderung
und Verwaltung in Tunesien.
209
Zeuchner, Simone: Privatwirtschaftliche Organisationsformen der Bereitstellung
und Finanzierung von Infrastrukturleistungen in Entwicklungsländern
– Eine ökonomische Effizienzanalyse unter Berücksichtigung von
Projekt- und Länderrisiken
2002, XVIII, 378 S., ISBN 3-88156-756-9, 31 EUR.
Für die Beteiligung privater Unternehmen
an der Bereitstellung und Finanzierung materieller Infrastrukturleistungen in
Entwicklungsländern hat sich in der Praxis eine Vielzahl von Organisationsformen
etabliert. Diese können im Wesentlichen auf fünf Grundmodelle zurückgeführt
werden: Service and Management (SaM)-, Transfer of Operation Rights (TOR)-, Public
Private Partnership (PPP)-, Build Operate Transfer (BOT)- und Build Operate Own
(BOO)-Modelle.
Simone Zeuchner unterzieht diese Organisationsformen
einer Projekt- und Länderrisikoanalyse. Aus mikroökonomischer Perspektive
werden die mit den Organisationsformen verbundenen Transaktionskosten für
die beteiligten Akteure und aus makroökonomischer Perspektive die von ihnen
hervorgerufenen volkswirtschaftlichen Effekte in den Entwicklungsländern
herausgearbeitet und verglichen. Darauf aufbauend liefert die Autorin wirtschaftspolitische
Handlungsempfehlungen.
Das Buch wendet sich an Praktiker aus den
Bereichen Projektfinanzierung, Treasury und Risikomanagement von Banken und Industrieunternehmen
sowie an Vertreter aus der Wirtschafts- und Entwicklungspolitik. Für Dozenten
und Studenten der internationalen Betriebswirtschaftslehre und der Entwicklungsländerforschung
bietet es einen strukturierten Einblick in die Thematik.