Das Ende des »Kalten
Krieges« hat die Verhältnisse zwischen Norden und Süden
wesentlich verändert. Westeuropa dreht Afrika den Rücken zu und
unterstützt Osteuropa wirtschaftlich massiv. Die sogenannte Entwicklungshilfe,
schon immer beschämend gering und meist der Förderung der eigenen
Industrie dienend, wird zunehmend reduziert. Diese Reihe bietet Informationen
und Diskussionsanstöße; sie soll dazu beitragen, daß Afrika,
seine Probleme und Menschen nicht in Vergessenheit geraten.
1 Diarra, Abdramane (Hg.):
Tradition, Wandel und Entwicklung in Afrika.
1995. X, 202 S., 21 EUR, ISBN 3-88156-622-8
Modernisierung impliziert auch die Entwicklung
des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systems. In diesem Reader
analysieren Autoren aus der Arbeitsgruppe Afrika-Forschung am Institut
für Soziologie der RWTH Aachen Entwicklungsprobleme Afrikas vor dem
Hintergrund seiner Geschichte, Kultur und Tradition, dabei werden gängige
Entwicklungstheorien und –modelle einer kritischen Betrachtung unterzogen
(Beiträge u. a. über Westafrika, Südafrika und Ruanda, Nomaden,
Nichtregierungsorganisationen und Kleinstaaten mit Beiträgen von Abdramane
Diarra, Bruno Ortmanns, Georgios Papanikolao, Ulrich Nitschke; Isabel van
Welie und Ismail Wais)
2 Künkel, Petra:
Die Mühen der Differenz. Frauenforschung in Afrika südlich der
Sahara.
1995. VI, 250 S., 23 EUR, ISBN 3-88156-642-2
Forschung findet im Kontext von Politik und
Wirtschaft statt. Beide können Forschung behindern und fördern,
wie umgekehrt. Diese gern geleugnete und gelegentlich verschleierte Wechselwirkung
ist in Afrika offen und entblößt. Wissenschaft als afrikanische
Avantgarde, als Erbin des Kolonialismus und als Hoffnungsträgerin
im Krisenmanagement sind untrennbar miteinander verknüpft. Sie muß
verstanden werden als detailgetreues Abbild der weltgesellschaftlichen
Verhältnisse, soweit sie Afrika betreffen, und als visionärer
Versuch, in die Veränderung eben dieser Weltgesellschaft einzugreifen.
Für Frauenforschung gilt das gleiche
und mehr: Sie will innerafrikanisch auch jene Machtverhältnisse beim
Namen nennen, die im Widerstand gegen die Hegemonie des Westens nur allzuleicht
übersehen werden. Afrikanische Forscherinnen sehen die weltgeschichtliche
Krise als Krise des Patriarchats, stellen jedoch die Ausgrenzung aufgrund
des Geschlechts gleichberechtigt neben die Ausgrenzung aufgrund der Rassenzugehörigkeit.
Frauenforschung in Afrika ist exemplarisch
für das, was Strukturen in der Wissenschaft bestimmt, was (welt)gesellschaftliche
Verhältnisse nach dem Zugang zur Verfügungsmacht organisiert
und was die Aufteilung der gesellschaftlichen Arbeit zwischen Männern
und Frauen strukturiert. Forschungspraxis und Theorie werden in diesem
Buch dabei gleichermaßen betrachtet.
3 Diarra, Abdramane:
Tradition, Sozialstruktur und politische Sozialisation bei den Minyanka
in Mali. 1997. VIII, 270 S., 24 EUR, ISBN 3-88156-700-3
Die französische Kolonisation und ihre
Erziehungspolitik haben das soziale, politische und ökonomische System
der Minyaka-Gemeinschaft zerstört; die Diskrepanz zwischen Tradition
und Moderne hat im Minyakala zu schwierigen Verhältnissen geführt.
Die nach der politischen Unabhängigkeit
Malis notwendig gewordene wirtschaftliche Entwicklung und der zunehmende
Verbrauch von Konsumgütern haben die Bauern im Minyakala gezwungen,
in Exportkulturen wie Baumwolle und Hirse zu investieren, um moderne Anbautechniken
und Industriedüngemittel einsetzen zu können.
Die Veränderung des sozialen Lebens durch
die Übernahme »moderner« Verhaltens- und Handlungsweisen
führte zur allmählichen Zerstörung der Großfamilien,
die einst die ökonomische Einheit und Grundlage des Gemeinwesens waren
und die Verwandtschaftsbeziehungen regelten. Die sozio-kulturelle und sozio-religiöse
Zugehörigkeit zu einer traditionellen Initiationsgemeinschaft war
und ist heute noch kennzeichnend und bindend für das Minyanka-Gemeinwesen.
Diese Arbeit berichtet nicht nur über
die sozialwissenschaftliche Erforschung der Minyanka-Gemeinschaft, sondern
will darüber hinaus auf die Perspektiven der Untersuchung kleiner
Einheiten afrikanischer Gesellschaften aufmerksam machen.